Adventskalender – 8. Dezember

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Der heutige Tag fällt etwas aus dem Rahmen der gewöhnlichen Tage im Advent.
Mitten in einer eher stillen Zeit feiert die Kirche ein großes Fest.

Pietro Lorenzetti: Geburt der Maria, 1342, Museo dell'Opera del Duomo in Siena Lizenz: Gemeinfrei

Pietro Lorenzetti: Geburt der Maria, 1342, Museo dell’Opera del Duomo in Siena
Lizenz: Gemeinfrei

Maria – Immaculata Conceptio
Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria

Viele Jahre gab es in der Kirche einen Streit darüber, wie die Mitwirkung Mariens am Heilshandeln Gottes aussieht. Es mußte der Frau, die den Erlöser, Gottes Sohn selbst, gebiert, eine besondere Gnade zuteil geworden sein.

Es zeigt sich am Beispiel der unbefleckten Empfängnis, wie lange und intensiv oft in der Kirche um eine Glaubenswahrheit und die richtige Weise darüber zu reden gerungen wird. Und dabei ist es nicht ungewöhnlich, daß auch prominente (und heilige) Theologen auf dem Holzweg sein können.

Erst in der Mitte des vorletzten Jahrhunderts gießt Papst Pius IX. das Geheimnis der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau Maria in für alle Gläubigen verbindliche Worte.

Die Kirche hat die Weise von der Unbefleckten Empfängnis zu reden gefunden.

Aus der Bulle Ineffabilis Deus von Papst Pius IX. vom 8. Dezember 1854:

Die Lehre, dass die allerseligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis auf Grund einer besonderen Gnade und Auszeichnung von seiten des allmächtigen Gottes im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, des Erlösers der ganzen Menschheit, von jeder Makel der Erbsünde bewahrt blieb, ist von Gott geoffenbart und muss deshalb von allen Gläubigen fest und unabänderlich geglaubt werden.
Dazu kommen dann noch die herrlichen Aussprüche der Väter, mit denen sie Zeugnis von der Empfängnis der heiligen Jungfrau ablegen, so wenn sie sagen, daß bei Maria die Natur vor der Gnade gewichen sei. Die Natur habe in ihrem Unvermögen voranzuschreiten gleichsam furchtsam stillgehalten; denn es war ja bestimmt, daß die jungfräuliche Gottesmutter nicht eher von Anna empfangen wurde, als bis die Gnade ihre Frucht gebracht hatte; sollte doch die Erstgeborene empfangen werden, die selber wieder den Erstgeborenen der ganzen Schöpfung empfangen sollte.

Drei Jahre und zwei Monate später bekommen die Kirche und die Welt gleichsam ein Zeichen vom Himmel. In Lourdes erscheint die Gottesmutter der damals 14-jährigen Bernadette Soubirous. Sie bezeichnet sich dem Kind gegenüber als Unbefleckte Empfängnis. Das ist, als hätte der Himmel sein Siegel auf die päpstliche Bulle gedrückt. Natürlich ist niemand verpflichtet Privatoffenbarungen zu glauben. Doch die Kirche ihrerseits hat Lourdes als echte Erscheinung der Gottesmutter anerkannt und legt sie den Gläubigen ans Herz.

Auch Papst Benedikt XVI. erwähnte am 8.Dezember 2008 die Erscheinungen von Lourdes in seiner beim Gebet an der Mariensäule
an der Spanischen Treppe in Rom. Er bringt alle Sorgen und Nöte der Römer als ihr Bischof vor die Gottesmutter, deren unbefleckte Empfängnis, wie er sagt als Name aus dem Herzen der Gläubigen steigt.

Es ist dies ein Gebet besonders auch für die Armen der Kirche von Rom, welche der Papst der Gottesmutter, der unbefleckten Empfängnis in besonderer Weise ans Herz legt.

O Unbefleckte Jungfrau, in diesem Augenblick möchte ich Dir besonders die „Kleinen“ dieser Stadt anvertrauen: Zuallererst die Kinder, und dann besonders die Schwerkranken, die benachteiligten Jugendlichen und all diejenigen, die unter schwierigen Familiensituationen zu leiden haben. Wache über sie und lass sie in der Zuneigung und Hilfe der Menschen, die ihnen nahe stehen, die Wärme der Liebe Gottes spüren.

Ich vertraue Dir, o Maria, die alten Menschen an, die einsam sind, die Kranken, die Einwanderer, die sich schwer mit der Integration tun, die Familien, die versuchen mit wenig Geld auszukommen und die Menschen, die keine Arbeit finden oder die ihre Arbeit verloren haben, die sie dringend für ihren Lebensunterhalt brauchen.

Und hier erhält der Titel, dieser wundervolle Ehrenname Mariens ihren tieferen Sinn. Nicht, daß sie nicht auch aktiv etwas dafür getan hätte, daß unser Herr, ihr Sohn, sein Erlösungswerk hätte tun können. Da ist ihr „Fiat“ als der Engel die Empfängnis des Kindes ankündigt, da ist ihre Flucht nach Ägypten um das Kind zu schützen, da ist die Suche nach dem 12-jährigen im Tempel und immer wieder das bewahren und bewegen des Gehörten und Gesehenen im Herzen. Es ist ihr Lernen des Weges ihres Sohnes, das sie aktiv tut. Doch es ist – das sagt uns das wunderbare Geheimnis der Immaculata – ihre Natur genau dies zu tun. Und wie diese mütterliche, von allem Makel verschonte Natur der Gottesmutter dem Sohn den irdischen Weg  geöffnet hat, so ist sie auch uns eine himmlische Mutter geworden, die schaut, bewahrt bewegt, für uns spricht und uns an ihrer milden Hand zu leiten vermag, wenn wir uns ihr anvertrauen.

Das nämlich ist das tiefste Geheimnis der Immaculata, daß zu lieben und liebevoll da zu sein, ja ihre ganze Existenz in diesem liebenden „Fiat“ zu verwirklichen, ihre ganz eigene Natur geworden ist, genau in dem Moment, da himmlische Vater sie vor jedem Makel der Erbsünde bewahrte.

Gebet zur Immaculata

Makellose Jungfrau, du hast dem Herrn gefallen und durftest seine Mutter werden.
Schau in Gnaden herab auf uns arme Menschen!
Wir bitten dich um deinen kraftvollen Schutz.
Die böse Schlange, gegen die schon im Paradies der Fluch geschleudert wurde,
stellt immer noch uns armen Kindern Evas nach und sucht uns zu schaden.
Drum, hochgebenedeite Mutter, unsere Königin und Fürsprecherin, nimm unsre Bitten gütig auf!
Du hast schon im ersten Augenblick deiner Empfängnisdem Feind den Kopf zertreten.
Unser Herz ist eines Sinnes mit dir.
Wir flehen zu dir, trag’ unsre Bitten hin vor Gottes Thron,
und hilf uns, dass wir nie den Nachstellungen erliegen, die uns bereitet werden,
dass wir alle zum Hafen des Heils gelangen.
Gib, dass die Kirche und die christlichen Völker inmitten der vielen Gefahren
aufs Neue das Danklied der Befreiung, des Sieges und Friedens singen können!
Amen.

(Gebet des Hl. Pius X.)


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