Verbot geschäftsmäßiger Suizidbeihilfe reicht nicht

Der Deutsche Bundestag hat heute in dritter Lesung den Gesetzentwurf von Brand/Griese für den neuen §217 StGB angenommen. Damit steht nun jegliche geschäftsmäßige Suizidbeihilfe unter Strafe. Nicht bestraft wird auch weiterhin Suizidbeihilfe von Angehörigen oder nahe stehenden Personen. Ferner bleiben auch Ärzte straffrei, wenn sie ohne Wiederholungsabsicht handeln.

Rechtslage in Europa

Rechtslage in Europa

Alle diese Formulierungen sind extrem schwammig und schaffen keine Rechtssicherheit. Sie schaffen erst recht keine Sicherheit und keinen Schutz für Betroffene. Der Schutz am Ende des Lebens wurde mit dieser Entscheidung deutlich aufgeweicht und wird weitere Diskussionen auslösen. Es droht eine schiefe Ebene, die Stück für Stück dann doch den Weg zu einer aktiven Sterbehilfe, was nichts anderes als die Tötung schwerkranker, behinderter und depressiver Menschen bedeutet.

Einzig der Gesetzentwurf von Sensburg/ Dörflinger/ Hüppe hätte den nötigen umfassenden Schutz gewährleistet. Zudem hätte ein solches Gesetz auch dem entsprochen, was in anderen europäischen Ländern geltendes Recht ist. Aus diesem Rahmen ist Deutschland heute ausgeschert und hat sich auf einen eindeutig falschen Weg begeben.

Es wird, dazu braucht man kein Wahrsager sein, in Deutschland zu einer Zunahme von assistierten Suiziden kommen. Suizidprävention wird mit diesem Gesetz vollständig konterkariert. Ärzte geraten in die unschöne Lage, Menschen entgegen jeglicher ärztlicher Ethik die Mittel in die Hand zu geben, sich vom Leben zum Tode zu befördern.  Und was ist, wenn der betreffende Patient es absolut nicht mehr schafft, den Giftbecher selbst zu trinken? Noch steht hier der §216 StGB einem aktiven Tötungshandeln im Weg. Wie lange noch?

Mit der heutigen Entscheidung hat der Deutsche Bundestag einen neuen Schritt auf dem Weg zu einer Unkultur des Todes getan. Es wird vermutlich nicht der letzte gewesen sein. Äquivalent zu immer weiter aufgeweichten Regeln zum Schutz des Lebens an seinem Beginn, wie die vorgeburtliche Selektion (z.B. bei Behinderung), so steht also nun auch eine Rechtsnorm bereit, die den Anfang zur Selektion nicht mehr lebenswerter Senioren, Schwerkranker, psychisch Kranker und lebensmüder Menschen anbahnt. Noch geht es nur um den assistierten Suizid. Der ist jetzt gesellschaftsfähig. Der nächste Schritt wird kommen.

Mag die Debatte im Deutschen Bundestag heute auch einfühlsam und rücksichtsvoll geführt worden sein. Eine Sternstunde war dieser Tag für unsere Parlament ganz sicher nicht.

Speichere in deinen Favoriten diesen Permalink.

6 Responses to Verbot geschäftsmäßiger Suizidbeihilfe reicht nicht

  1. Kassandra sagt:

    Wann gab es die letzte Sternstunde im Parlament???????????

  2. juergen sagt:

    Die Ausführung in der gemeinsamen Erklärung von DBK, ZdK, EKD und der Synode der EKD kann ich nicht nachvollziehen.
    http://www.dbk.de/presse/details/?presseid=2957&cHash=5f019e2157ce7ad885f61a8299d0158b

    • Cicero sagt:

      Dito.
      Das entspricht auch nicht dem, was die ursprüngliche Haltung der DBK war. Man hat sich wohl – leider mal wieder – auf den Minimalkonsens eingelassen. Die Folgen sind leider ebenso absehbar, wie bei dem lausigen Abtreibungsunrecht, welches wir in D haben.

  3. juergen sagt:

    In dem Ende 2014 herausgekommenen Flyer der DBK „Sterben in Würde“ liest man noch:

    »Aus ethischer Sicht ist die Beihilfe zur Selbsttötung – sowohl durch Organisationen als auch durch Ärzte und andere nahe stehende Personen – abzulehnen.« (S.5)
    http://www.dbk-shop.de/media/files_public/meghdniwr/DBK_Sterben-in-Wuerde-2014.pdf

    Irgendwie erinnert mich das Hin und Her an Jynx torquilla.

  • © Alle Rechte vorbehalten 2005 - 2015